PRIDE – Die etwas andere Doku auf Disney+ Star!

PRIDE – Die etwas andere Doku auf Disney+ Star!

PRIDE MONTH 2021

PRIDE

Die etwas andere Doku auf Disney+ Star!

Florian (RainbowMickeyRunner), Hamburg

24. Juni 2021

Disney+ Star betritt mit der sechsteiligen Dokumentarserie PRIDE über den Kampf für LGBTQ+ Bürgerrechte in Amerika ungewohntes Terrain. Ich durfte mir vorab schon einmal einen ersten Eindruck verschaffen und verrate Euch in diesem Blogartikel, was das Star Original so besonders macht und warum sich ein Reinschauen aus meiner Sicht definitiv lohnt.

Schaut man sich im Zuge des diesjährigen Pride Months die aktuelle Situation der LGBTQ+ Community innerhalb unserer Gesellschaft an, so scheint auf den ersten Blick alles in Ordnung und im Großen und Ganzen kein Grund zur Klage. Queere Personen scheinen sichtbarer denn je, voll und ganz in der Mitte der Gesellschaft angekommen und auch größtenteils akzeptiert zu sein: Es gibt regelmäßig Serien und Filme mit LGBTQ+-Figuren und -Inhalten, unzählige Modeunternehmen zeigen sich solidarisch und bieten im Juni ihre eigenen regenbogenfarbenen Pride-Kollektionen an und auch ansonsten scheint es heutzutage gesellschaftlich unproblematischer denn je zu sein, seine Queerness öffentlich auszuleben.

 

Vielleicht wurde ich gerade aufgrund dieser Wahrnehmung in der Vergangenheit immer wieder gefragt, warum wir im Jahre 2021 überhaupt noch so etwas wie einen Christopher Street Day brauchen. Scheint es doch geradezu so, dass die LGBTQ+ Community in Deutschland inzwischen eigentlich alles erreicht hat, um ein unbeschwertes und angstfreies Leben zu führen: die Abschaffung des Paragrafen 175, der Homosexualität noch bis ins Jahr 1994 unter Strafe stellte, die Einführung der eingetragenen Lebensgemeinschaft im Jahre 2001 und die spätere Umwandlung in die  „Ehe für alle“ im Jahr 2017 sowie die Möglichkeit, seit 2019 den Geschlechtseintrag „divers“ im deutschen Personenstandsregister vornehmen lassen zu können. 

 

Doch der schöne Schein trügt! Wie wir gerade erst nur allzu deutlich am Beispiel von Ungarns neuem Gesetz zu sexuellen Minderheiten und der dadurch entflammten Debatte über die Illumination des Münchner Fußballstadions in Regenbogenfarben gesehen haben, sind sexuelle Orientierungen „abseits der Norm“ noch lange nicht gesamtgesellschaftlich akzeptiert und allzu schnell können Errungenschaften und positive Entwicklungen vergangener Jahre auch wieder zurückgedreht und den betreffenden Personen aberkannt werden.

 

Und so war auch der Kampf um die LGBTQ+ Bürgerrechte in Amerika nie ein geradliniger Weg. Auch die dortige queere Community hatte mit Diskriminierung, Benachteiligung und sogar Verfolgung aufgrund sexueller Orientierung oder Identität zu kämpfen. Sei es durch bürokratische Hindernisse, Ablehnung im Alltag oder sogar gewaltsame Übergriffe. Dies wollte man irgendwann nicht länger hinnehmen, ging in den Widerstand und legte dadurch den Grundstein für die moderne LGBTQ+ Bewegung in den USA, wovon die ab 25. Juni auf Disney+ Star verfügbare Dokumentation PRIDE nun sehr bewegend und äußerst eindrucksvoll erzählt.

© Disney

„Revolutionen müssen von Generation zu Generation weitergeführt werden!“ (Jewelle Gomez)

 

Die sechsteilige Serie spannt dabei einen großen Bogen von den 1950er Jahren bis in unsere heutige Zeit und gewährt durch eine spannende Mischung von Archivmaterial, Zeitzeugenberichten, Interviews sowie nachgestellten Szenen und Animationsclips einen ausführlichen Einblick in die bewegte Befreiungsgeschichte der amerikanischen LGBTQ+ Community. Jede Episode beleuchtet hierfür ein anderes Jahrzehnt und stellt von der Überwachung Homosexueller durch das FBI über die AIDS-Krise in den 80er und 90er Jahren bis hin zum Kampf um die Gleichstellung der Ehe ganz unterschiedliche Themen, Probleme, Hürden und Wendungen in den Mittelpunkt. 

 

Die einzelnen Folgen sind dabei so reich an Informationen, persönlichen Geschichten und Erlebnissen, dass es fast schwer fällt, einzelnes genauer hervorzuheben. Und dennoch gibt es immer wieder bestimmte Personen und Augenblicke, die zumindest mir als Zuschauer nachdrücklich im Gedächtnis geblieben sind. So zum Beispiel der schwule Videofilmer Nelson Sullivan, der durch mehrere hundert Stunden Filmmaterial die Tragödie der Aids-Krise in New York in den 80er Jahren dokumentierte und damit wohl als einer der weltweit ersten Vlogger gelten dürfte. Oder der afroamerikanische und offen schwule Anwalt Bayard Rustin, der eine treibende Kraft bei der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King Jr. in den 60er Jahren war und dadurch auch den späteren Kampf um die LGBTQ+ Bürgerrechte entschieden vorantrieb. Aber auch die transsexuelle Autorin und Aktivistin Ceyenne Doroshow, die sich seit mehr als 30 Jahren für die Community engagiert und mit ihrer Organisation G.L.I.T.S. (Gays and Lesbians living in a Transgender Society) queeren Personen, die durch ihre sexuelle Orientierung oder Identität ihre Arbeit verloren, obdachlos oder Opfer von Gewalt wurden, einen Weg in eine neue, bessere Zukunft ermöglicht.

 

Mit jeder Erzählung und persönlichen Erfahrung wird dabei deutlich, dass es vor allem die vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten aus dem ganzen LGBTQ+ Spektrum waren, die die queere Widerstandsbewegung so einzigartig und besonders gemacht haben: sie waren es, die sich nicht mehr mit Verfolgung, Unterdrückung & Diskriminierung abfinden wollten und deshalb immer wieder – Jahrzehnt um Jahrzehnt – den Mut aufbrachten, im Rahmen von Protestzügen, privaten Initiativen oder auch kreativen Ausdrucksmitteln wie Literatur, Film oder Fotografie auf die immer noch bestehenden Ungerechtigkeiten und Missstände in der Gesellschaft hinzuweisen.

 

Und so besticht PRIDE aus meiner Sicht vor allem auch durch die Vielzahl an Zeitzeugen, die durch ihre häufig sehr persönlichen Erlebnis- und Erfahrungsberichte den oft sehr steinigen Weg zu einer offeneren und toleranten Gesellschaft unmittelbar erleb- und nachvollziehbar machen. Einzelne Aussagen wie „Silence equals death!“ (deutsch: „Schweigen bedeutet den Tod!“), „Closets were vertical coffins“ (deutsch: „Wer im Schrank blieb – also: ungeoutet war (Anm. d. Autors) – lebte praktisch in einem aufrecht stehenden Sarg.) oder auch „We didn’t know we were making history!“ (deutsch: „Wir wussten nicht, dass wir da gerade Geschichte schrieben!“) sind mir dabei noch lange nachgegangen, haben mich teils erschüttert, bewegt und dann aber auch immer wieder nachhaltig beeindruckt.

© Disney

Sicher nicht für jeden etwas, aber dennoch
eindrucksvoll & sehenswert

Einige von Euch werden sich beim Lesen dieses Artikels an dieser Stelle nun vielleicht fragen, was PRIDE denn überhaupt mit Disney zu tun hat… und ich möchte gar nicht groß drumherum reden: einen direkten Disney-Bezug gibt es in diesem Fall tatsächlich überhaupt nicht. Außer die Tatsache, dass die Dokumentarserie auf der hauseigenen Streamingplattform Disney+  (beziehungsweise – um genauer zu sein – auf dessen Erweiterung Disney+ Star) erschienen ist. 

Nichtsdestotrotz finde ich die Veröffentlichung von PRIDE unglaublich wichtig und auch durchaus bemerkenswert für Disney, zeigt sie doch, dass man sich seitens des Unternehmens nicht scheut, die Vielfalt unserer Gesellschaft auch durch solche dokumentarischen Formate näher zu beleuchten und damit selbstverständlich auch einen gewissen Bildungsauftrag erfüllt.

Nachdem ich zunächst etwas irritiert war, dass jede Folge eine andere Bildsprache, Erzählweise und Ästhetik aufwies, wurde mir erst später bewusst, dass dies vor allem dem Umstand geschuldet ist, dass jede Ära durch eine*n andere*n Regisseur*in beleuchtet wird. Dies trägt bei genauerer Betrachtung jedoch auch dazu bei, dass das Star Original die Geschichte der LGBTQ+ Community auf bemerkenswert vielfältige und diverse Art und Weise beleuchtet und dadurch wirklich die ganze Bandbreite queerer Geschichte auslotet. So kommen nicht nur schwule oder lesbische Menschen zu Wort, auch die Trans-Community kann ihre ganz persönliche Perspektive der Geschichte schildern. Und so erfahren wir als Zuschauer*innen, wie sehr nicht zuletzt auch der tragische Tod von George Floyd im Mai 2020 und die damit einhergehenden Proteste unter dem Motto Black Lives Matter auch schwarzen Trans-Personen – insbesondere Trans-Frauen – dazu ermutigten, auch ihren eigenen Beitrag zu den Protestaktionen beizutragen. Dies führte schließlich am 14. Juni 2020 in New York zum Brooklyn Liberation March, bei dem über 15.000 Teilnehmer*innen unter dem Motto Black Trans Lives Matter auch auf die Diskriminierung schwarzer Trans-Menschen aufmerksam machten.

Sicher habt Ihr beim Lesen dieses Artikels schon gemerkt: PRIDE ist nicht unbedingt die leichte Unterhaltung für einen lauen Sommerabend, die mancher von uns wohl sonst so von Disney+ gewohnt ist. Nichtsdestotrotz möchte ich Euch die Dokumentarserie wirklich sehr ans Herz legen! Für alle, die queere Menschen in ihrem direkten Umfeld haben, sich ein wenig weiterbilden möchten oder sich dafür interessieren, welchen politischen und auch historischen Hintergrund die unzähligen Christopher Street Day-Paraden in deutschen Städten eigentlich haben – ist das Star Original PRIDE genau das Richtige. Dabei muss man die Serie auch gar nicht zwangsläufig komplett oder gar chronologisch schauen. Da jede Episode in sich abgeschlossen ist, ein anderes Jahrzehnt und damit auch andere Thematiken behandelt, kann man auch sehr gut einfach mal in eine einzelne Folge hineinschauen, um herauszufinden, ob die Serie etwas für einen ist. Mein persönlicher Tipp wäre dabei übrigens, mit der letzten Folge zu beginnen, da sie zeitlich gesehen am nächsten an unserer heutigen Realität dran ist und die meisten Zuschauer*innen durch ihre Aktualität deshalb wohl am besten abholt.

© Disney

Mein persönliches Fazit

Um es kurz zu machen: Ich war und bin von PRIDE wirklich schwer begeistert und werde in einzelne Folgen in nächster Zeit sicher noch das ein oder andere Mal hineinschauen. Durch die Vielzahl behandelter Themen, Ereignisse und Erfahrungsberichte entfaltet sich für interessierte Zuschauer*innen meines Erachtens nach ein wirklich eindrucksvolles, vielfältiges, authentisches und dabei an einzelnen Stellen immer wieder auch sehr zu Herzen gehendes Bild queerer Emanzipationsgeschichte. Durch die zahlreichen Protagonisten erfahren wir neben den historischen Einblicken dabei immer wieder auch etwas über das tägliche Zusammenleben der LGBTQ+ Community, die als gelebte Gemeinschaft für viele nicht selten zum Familienersatz wird, in der jeder und jede seinen eigenen Platz und Zufluchtsort finden kann, um auf dem manchmal nicht ganz einfachen Weg in ein offenes, queeres Leben nicht nur beschützt, sondern immer auch begleitet zu werden.

PRIDE ist deshalb aus meiner Sicht auch mehr als nur eine queere Geschichtsdoku. Die Serie ist für mich Anerkennung, Mahnung und Ermunterung zugleich: Dass wir schätzen lernen, was bereits für uns erreicht wurde. Wie wir dafür sorgen können, diese Errungenschaften weiter zu schützen und zu bewahren. Und warum es auch heute immer noch so wichtig ist, den Kampf für eine offene und vielfältige Gesellschaft niemals aus den Augen zu verlieren und weiter voranzutreiben. Deshalb bekommt PRIDE von mir auch statt einer Sternebewertung schlicht und ergreifend das Prädikat Besonders wertvoll.

Und sollte ich mit diesem Blogartikel nun auch Euch ein wenig Lust gemacht haben, mal in die Serie hineinzuschauen, freue ich mich natürlich wie immer zu hören, was denn Euer individueller Eindruck ist. Hinterlasst also gerne einen Kommentar oder schreibt mir auch gerne eine Nachricht! Ich freue mich immer von Euch zu hören!

Für heute wünsche ich Euch noch einen schönen Tag und denkt immer daran: Obwohl der Pride Month sich in diesem Jahr so langsam dem Ende nähert, sollten wir niemals vergessen, dass Diversität, Akzeptanz und Toleranz etwas ist, an dem wir alle gemeinsam an 365 Tagen des Jahres miteinander arbeiten sollten, denn – wie es so schön auf einem Plakat während eines Pride-Marsches in den 80er Jahren hieß: EVERY DAY IS GAY PRIDE DAY! 

In diesem Sinne: Be loud and proud – always!

Euer RainbowMickeyRunner

Florian

Mehr Mut – Love, Victor geht in die zweite Runde auf Disney+ Star

Mehr Mut – Love, Victor geht in die zweite Runde auf Disney+ Star

PRIDE MONTH 2021

Mehr Mut!

Love, Victor geht in die zweite Runde
auf Disney+ Star

Florian (RainbowMickeyRunner), Hamburg

16. Juni 2021

Es ist Pride Month und so verwundert es nicht, dass sich Disney dazu entschieden hat, diesen für die LGBTQ+-Community so besonderen Monat auch mit zwei Neuveröffentlichungen auf seiner Streaming-Plattform Disney+ zu feiern. Den Anfang macht dabei die 2. Staffel der Star Original Serie Love, Victor. Ich durfte vorab schon einmal in ein paar Folgen hineinschauen und verrate Euch in diesem Beitrag, was Euch so alles erwartet!

Zugegeben… wenn es um die Repräsentation queerer Figuren in großen Kinofilmen angeht, gibt es bei Disney definitiv noch Luft nach oben. Umso erfreulicher ist es jedoch, dass man bereits jetzt auf der hauseigenen Streamingplattform Disney+ und dessen Erweiterung Disney+ Star einige spannende Inhalte findet, die sehr wohl die Lebensrealität queerer Disney-Fans widerspiegelt. Und das wohl beste Beispiel hierfür ist Love, Victor – das Spin-Off zum überaus erfolgreichen Kinofilm Love, Simon aus dem Jahr 2018.

Die Coming-of-Age-Serie mit ihrem sympathischen Helden Victor Salazar, der als neuer Schüler an die Creekwood High in Atlanta, Georgia kommt und allmählich seine Liebe zum gleichen Geschlecht entdeckt, hat bereits im Rahmen seiner ersten Staffel eine große Fangemeinde – vor allem natürlich bei Menschen der LGBTQ+-Community – gefunden. Und so war es denn auch nicht sehr überraschend, dass man sich seitens Disney relativ schnell dazu entschieden hat, die Serie direkt um eine weitere Staffel zu verlängern, die ab dem 18. Juni 2021 nun auch in Deutschland verfügbar sein wird. Doch, wie geht es nach den ersten zehn Folgen weiter? Ich gebe Euch einen kleinen Vorgeschmack… natürlich absolut spoilerfrei, versteht sich – sofern Ihr die 1. Staffel der Serie bereits vollständig geschaut habt (wovon ich jetzt einfach einmal ausgehe).

© 20th Century Fox Television / Star / Disney

„Ich bin schwul!“

Sicher erinnert sich jeder von Euch noch daran, wie wir am Ende der 1. Staffel von Love, Victor als Zuschauer*innen mit einem ziemlichen Cliffhanger zurückgelassen wurden. Denn, nachdem Victor zu guter Letzt doch noch mit seinem Schwarm Benji zusammenkam, hielt er es einfach nicht mehr aus, fasste sich ein Herz und sprach gegenüber seiner Familie die drei entscheidenden Worte aus, auf die wir alle wohl die ganze Zeit gewartet haben: „Ich – bin – schwul!“ Wie Mutter, Vater und seine Schwester auf diesen Satz reagieren, das wurde uns damals natürlich noch vorenthalten, denn diese spannungsgeladene Szene leitete direkt in den Abspann über. Nichtsdestotrotz sollte wohl jedem/r an dieser Stelle schnell klar geworden sein, welchen Weg die Star Original Serie in ihrer zweiten Staffel einschlagen würde.

Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, dass ein Coming Out niemals nur ein einmaliges Ereignis ist. Der Schritt, sich durch dieses Bekenntnis gegenüber anderen Menschen zu offenbaren, ist zwar ein Anfang, der gesamte Prozess jedoch erstreckt sich eigentlich immer über eine längere Zeit und zieht sich dabei durch viele unterschiedliche Lebensbereiche – von der Familie über die Sportmannschaft bis hin zur eigenen Clique, der Schule oder auch dem Arbeitsplatz. Und natürlich beleuchtet deshalb auch die zweite Staffel von Love, Victor diese unterschiedlichen Erfahrungen seiner Hauptfigur Victor Salazar und bietet dabei ausreichend Gelegenheiten, die einzelnen Schritte hin zu einem selbstbestimmten und offen queeren Leben immer wieder in den Mittelpunkt der Handlung zu rücken.

Victors Coming-out ist dabei nicht nur für seine eigene Familie eine Herausforderung und Aufgabe, die es gemeinsam zu meistern gilt. Natürlich hinterlässt dies auch Spuren bei seiner Ex-Freundin Mia, der erste offen schwule Spieler in der schuleigenen Basketballmannschaft zu sein, ist selbstverständlich ebenfalls nicht völlig konfliktfrei und nebenher muss sich Victor natürlich auch erst einmal in seiner ersten schwulen Beziehung mit Benji zurechtfinden. Langweilig wird es handlungstechnisch deshalb nie und natürlich kommt auch der Humor wieder nicht zu kurz – vor allem durch die beiden Charaktere Felix und Lake, die auch in dieser Staffel wieder für allerlei unterhaltsame Momente, Situationskomik und Gags sorgen, aber trotzdem auch ihre eigenen Probleme und Herausforderungen zu meistern haben.

© 20th Century Fox Television / Star / Disney

Altbewährt und dennoch erwachsener als die 1. Staffel

Von Optik, Stil und Grundton her bleibt sich die Serie also erfeulicherweise absolut treu und garantiert durch die zahlreichen sympathischen Charaktere, die allesamt wieder mit von der Partie sind, stets beste Unterhaltung. Bemerkenswert finde ich dabei aber auch, dass die neuen Folgen bei aller augenscheinlichen Leichtigkeit und Komik immer wieder auch mühelos zu ernsteren Tönen wechseln können und so gefühlt noch mehr komplexere Themen und Momente emotionaler Tiefe mit in die Handlung einfließen als bisher. Dadurch gewinnt die 2. Staffel aus meiner Sicht auch noch einmal an Glaubwürdigkeit, da ich in mehreren Momenten auch die ein oder andere Parallele zu meinen eigenen Erfahrungen ziehen konnte, was auch zu der ein oder anderen emotionalen Reaktion führte – Ihr wisst sicher, was ich meine.

Für mich zeigte sich dabei sehr deutlich, dass man in Bezug auf Story und Handlungsverlauf sowohl seitens des Produktionsteams, wohl aber auch auf Seiten von Disney selber mutiger geworden ist, was einzelne Aspekte der Geschichte angeht. Im Gegensatz zur ersten Pilotstaffel, die zunächst für Disney+ geplant war, dann jedoch aufgrund von Bedenken, die Serie sei nicht „familienfreundlich“ genug für diese Plattform, zu Hulu transferierte, war bei Staffel 2 von Anfang an klar, dass diese direkt für den US-Streamingdienst Hulu bzw. in Europa für Disney+ Star produziert werden würde. Und da man sich auf diesen Portalen generell einem etwas älteren und erwachseneren Publikum verschrieben hat und deshalb auch breiter aufgestellt ist, was die verhandelbaren Themen angeht, hat Love, Victor für mich definitiv noch einmal an erzählerischer Qualität und emotionaler Tiefe und auch Direktheit hinzugewonnen.

© 20th Century Fox Television / Star / Disney

Für mehr Verständnis, Akzeptanz und Toleranz
in unserer Gesellschaft

Dies führt denn auch dazu, dass die neuen Folgen von Love, Victor etwas erreichen, was aus meiner Sicht als queerer Zuschauer nicht nur äußerst spannend, sondern auch unglaublich wichtig ist: Sie fokussieren sich nicht nur auf die emotionale Gefühls- und Gedankenwelt von Victor selber, sondern lassen darüber hinaus auch noch genug Raum zu zeigen, mit welchen Problemen oder Nöten auch sein unmittelbares Umfeld sowohl durch ihre individuelle Lebenssituation als auch durch sein Coming-out konfrontiert wird. Erfreulicherweise wird daber aber auch immer wieder aufgezeigt, welche Lösungen es geben kann, diese Herausforderungen miteinander zu bewältigen. Dadurch beleuchtet jede Folge auch einen anderen Aspekt des Coming-out-Prozesses, was natürlich gleichzeitig zu mehr Spannung und auch zu einer vielschichtigeren Handlung führt. Kritische Stimmen mögen hier vielleicht noch befürchten, dass man es dadurch schnell mit dem erhobenen pädagogischen Zeigefinger zu tun haben. Aus meiner Sicht ist dem jedoch glücklicherweise überhaupt gar nicht so.

Stattdessen ist die Serie unterhaltsamer und lustiger denn je und bleibt trotzdem – aus meiner Perspektive der eigener Erfahrung betrachtet – durch die dadurch gewonnene Komplexität immer sehr nah an dem, was sowohl ich als auch Personen aus meinem Bekannten- und Freundeskreis in der Phase des eigenen Coming-outs erlebt haben. Es bleibt also zu hoffen, dass Love, Victor im Rahmen des Pride-Month seinen eigenen kleinen Beitrag für mehr Diversität in unserer Gesellschaft leistet: Indem sich junge queere Menschen in der Phase ihres eigenen Coming-outs gesehen und verstanden fühlen und durch die Serie ermutigt werden, offen zu sich und ihrer sexuellen Orientierung zu stehen. Und dass Eltern oder Freunden queerer Menschen dabei geholfen wird, den oft nicht ganz einfachen Prozess des Coming-outs besser zu verstehen, einzuordnen und vor allem angemessen begleiten zu können.

© 20th Century Fox Television / Star / Disney

Mein persönliches Fazit

Kurzum: Freut Euch auf zehn weitere spannende, unterhaltsame Folgen an der Creekwood High, bei denen es nicht nur einiges zu Lachen, sondern durchaus an der einen oder anderen Stelle auch einmal ein Tränchen zu verdrücken gibt – so ging es mir zumindest! Zwar kann die 2. Staffel die Intensität ihrer ersten Folge auf Dauer nicht ganz halten, besticht aber dennoch immer wieder durch ihre Direktheit, ihren Witz und auch ihr Einfühlungsvermögen für die häufig komplexen Themen, weswegen es von mir auch satte 9 von 10 Sternen gibt!

Für mich wird die Serie ab dem 18. Juni 2021 für die nächsten zehn Wochen auf jeden Fall absolutes Pflichtprogramm am Freitagabend sein, worauf ich mich schon jetzt sehr freue! Darüberhinaus fiebere ich aber auch schon dem zweiten Highlight im Rahmen des Pride Month entgegen: der sechsteiligen Dokumentarserie Pridedie den Kampf um die LGBTQ+ Bürgerrechte in Amerika näher beleuchtet. Auch in diese Serie werde ich vorab schon einmal hineinschnuppern können und werde darüber dann natürlich auch noch einmal in einem separaten Beitrag für Euch berichten! Es bleibt also spannend!

In der Zwischenzeit hoffe ich, dass ich Euch mit diesem Artikel ein wenig Lust auf die neue Staffel von Love, Victor machen konnte. Und solltet Ihr darüber hinaus Lust auf weitere Inhalte auf Disney+ mit queerem Background bekommen haben, dann lest doch auch einmal in diesen Artikel von mir hinein. Darin stelle ich Euch noch einmal meine ganz persönliche TOP5 von Formaten mit LGBTQ+ Bezug vor!

Euch weiterhin noch einen schönen, bunten und vor allem ausgelassenen Pride Month und auf bald!

Euer RainbowMickeyRunner

Florian

Rainbow Disney Collection 2021 – Gewohnt bunt und verdammt vielfältig!

Rainbow Disney Collection 2021 – Gewohnt bunt und verdammt vielfältig!

DIVERSITÄT & AKZEPTANZ

Rainbow Disney Collection 2021

Gewohnt bunt und verdammt vielfältig!

Florian (RainbowMickeyRunner), Hamburg

3. Mai 2021

Seit 2018 bringt Disney jedes Jahr anlässlich des Pride Month eine spezielle Regenbogenkollektion heraus. 2021 gibt es dabei Altbekanntes, aber auch einiges noch nie Dagewesenes zu entdecken. Erfahrt in diesem Blogartikel, worauf Ihr Euch alles freuen könnt!

2021 ist, was Disney betrifft, einiges anders als wir es bisher eigentlich kannten. Und so verwundert es nicht, dass dies auch auf die diesjährige Rainbow Disney Collection zutrifft, die bereits heute im amerikanischen shopDisney sowie in den dortigen Disney Stores erschienen ist.

Ungewöhnlich ist dies insofern, als dass die Kollektion normalerweise erst anlässlich des Pride Month veröffentlicht wird, der in Erinnerung an den Stonewall-Aufstand von 1969 in New York traditionell immer über den gesamten Juni hin gefeiert wird.

Doch scheinbar hat man sich gedacht, dass man nie früh genug damit beginnen kann, um mit Artikeln in allen Farben des Regenbogens auf die Themen Gleichberechtigung, Diversität und Akzeptanz aufmerksam zu machen und so gibt es diesmal bereits Anfang Mai vieles, was wir schon aus den letzten Jahren kennen, aber eben auch einige spannende neue Artikel zu entdecken.

© Disney

shopDisney in Japan als Vorreiter am Start

Bevor die Artikel jetzt in den USA online gingen, lohnt es sich jedoch, vorher noch einen kurzen Blick nach Japan zu werfen. In den dortigen Stores und im japanischen shopDisney gab es nämlich bereits Anfang April die ersten Produkte aus der 2021er Kollektion zu entdecken und so konnte man schon ein wenig erahnen, was Disney alles für seine Fans bereithalten würde: Kuschel-Mickey & -Minnie in Regenbogenoutfit, Schlüsselanhänger, Gesichtsmasken, Rucksäcke und Gürteltaschen, kuschelige Decken und sogar Fächer in Regenbogenfarben mit zahlreichen Mickeys darauf. All dies ließ darauf schließen, dass man sich in diesem Jahr wahrlich nicht lumpen lassen würde, was die Produkte in allen Farben des Regenbogens angeht!

© shopDisney

Ein ganz besonderer Artikel…

Eine Besonderheit in diesem Jahr ist dabei unter anderem der Rainbow Collection Imagination Schlüssel, den es so in 2021 zum ersten Mal gibt und – so scheint es zumindest – die bisherige Tradition der Jumbo-Pins ablösen könnte. Zumindest war der Release ein voller Erfolg, sodass der Schlüssel in Japan bereits wenige Minuten nach dem Erscheinen restlos ausverkauft war und kurz darauf natürlich bereits  ziemlich saftige Preise auf einschlägigen Verkaufsplattformen erzielte. Doch… keine Panik! Die gute Nachricht ist, dass der Schlüssel natürlich auch im amerikanischen shopDisney verfügbar ist und auch zu uns nach Deutschland kommen wird. Ein genaues Datum steht zwar noch nicht fest, aber im Mai sollte es wohl noch so weit sein. Ich freue mich auf jeden Fall sehr, dass auch wir nicht leer ausgehen, was dieses besondere Erinnerungsstück angeht!

© shopDisney

Eine Kollektion für wirklich jeden!

 

Aber wenden wir uns lieber noch einmal den neu hinzugekommenen Artikeln in den amerikanischen Disney Stores zu, denn diese übertreffen wahrlich alles, was wir bis dato diesbezüglich gesehen haben! So eine große Auswahl an farbenprächtigen und vielfältigen Regenbogen-Artikeln gab es wahrlich noch nie! 

 

Auffällig ist dabei vor allem, dass die Kollektion sich von Mickey und Minnie als Hauptfiguren löst und nun tatsächlich – passend zur großen Inklusions-Initiative, die Disney vor einiger Zeit gestartet hat – nun alle großen Marken des Unternehmens umfasst. Denn schließlich hat man es sich zur Aufgabe gemacht, Geschichten und Erlebnisse zu kreieren, bei denen wirklich jeder Gast sich gesehen und einbezogen fühlt.

 

Und so ist die diesjährige Auswahl mit allein über 30 Artikeln online tatsächlich größer, umfangreicher und vor allem inklusiver geworden als je zuvor und zum ersten Mal in der Geschichte der Rainbow Disney Collection gibt es tatsächlich auch etwas für die queeren Fans von PixarStar WarsMarvel sowie z.B. spezielle Mickey-Pin in den Farben der Flaggen für Transgender, Lesbians, Bisexuals sowie der 8-farbigen Philadelphia Rainbow-Flagge mit zwei zusätzlichen Streifen in Schwarz und Braun! Ein wirklich großartiger und wichtiger Schritt, wie ich finde!

 

    © Disney
    © Disney
    © Disney
    © Disney

    Disney kooperiert mit zahlreichen Partnern

    Doch damit nicht genug, denn auch zum allerersten Mal in der Geschichte des Unternehmens kooperiert Disney mit zahlreichen Lizenznehmern und Partnern wie Hot Topic, BoxLunch oder Amazon, die ihrerseits noch weitere offizielle Produkte zur Rainbow Disney Collection beisteuern werden.

    Neben einer weiteren Auswahl an passenden Kleidungsstücken und Accessoires wird es dabei auch eine Serie von Pop! Vinyl Figuren der Marke Funko geben, die Charaktere wie Ursula, Wall-E, Stitch, Mickey oder Deadpool ebenfalls in den Farben des Regenbogens erstrahlen lassen. Sicher nicht jedermanns Geschmack – auch meiner nicht -, aber dennoch eine schöne Geste für alle Sammler*innen dieser teilweise wirklich putzigen, kleinen Zeitgenossen. 

    © Funko
    © Funko
    © Funko

    Kauf unterstützt LGBTQ+ Organisationen weltweit

    Übrigens unterstützt Ihr beim Erwerb eines Artikels aus der Rainbow Disney Collection gleichzeitig auch, dass es in Zukunft noch mehr Gleichberechtigung und Chancengleichheit am Arbeitsplatz gibt, denn Disney spendet einen Teil der Einnahmen an verschiedene Organisationen auf der ganzen Welt, die sich für LGBTQ+ Gemeinschaften einsetzen.

    In Deutschland hat man sich dabei für diversity München e.V. entschieden. Die LesBiSchwulen und Trans* Jugendorganisation betreibt in der bayerischen Landeshauptstadt ein Jugendzentrum, bietet Lernseminare über geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung für Schulen an und organisiert Veranstaltungen in ihrem Diversity Café. Weitere Institutionen in anderen Ländern sind unter anderem GLSEN (USA), Diversity Role Models (Großbritannien), Minus18 (Australien), BeLonG To Youth Services (Irland), ARELA (Spanien), It Gets Better Project (Mexiko) sowie Nijiiro Diversity (Japan).

    Einen kleinen Wermutstropfen gibt es am Ende nun aber leider dennoch. Denn bisher ist bedauerlicherweise noch nicht bekannt, wann genau und vor allem was von der diesjährigen Rainbow Disney Collection zu uns in den deutschen shopDisney kommt. Es gab zwar direkt eine Ankündigung dazu über den Instagram-Kanal des Shops, was aber genau zu uns hier nach Europa kommt, ist leider noch nicht so klar! Ich würde sagen: Bleiben wir einfach optimistisch und hoffen wir, dass möglichst viel davon auch den Weg zu uns hier nach Deutschland findet!

    Sobald es Neuigkeiten diesbezüglich gibt, werde ich Euch natürlich direkt darüber informieren! Folgt mir deshalb doch am Besten direkt auch auf Instagram oder Facebook, sodass Ihr keine Neuigkeiten, was die Themen Rainbow, Disney Parks oder auch runDisney angeht, mehr verpasst!

    Und zu guter Letzt frage ich mich natürlich: Wie ist denn Euer Eindruck von der neuen Kollektion? Seid Ihr enttäuscht, dass es keinen neuen Spirit Jersey gibt oder habt Ihr vielleicht bereits stattdessen etwas erspäht, das Ihr unbedingt haben wollt? Lasst mich doch mal wissen, was Ihr denkt! Ich bin gespannt!

    Euch noch eine schöne Zeit und regenbogenbunte Grüße!

    Euer RainbowMickeyRunner

    Florian

    Inklusion als Schlüssel zur Zukunft bei Disney

    Inklusion als Schlüssel zur Zukunft bei Disney

    DIVERSITY & INKLUSION

    Inklusion als Schlüssel zur Zukunft
    bei Disney

    Florian (RainbowMickeyRunner), Hamburg

    13. April 2021

    Disney integriert das Thema Inklusion zukünftig noch stärker in die Unternehmensphilosophie. Wie dies genau geschieht und welche Veränderungen bereits stattgefunden haben, erfahrt Ihr in diesem Beitrag!

    Als Walt Disney am 17. Juli 1955 sein erstes Disneyland in Anaheim, Kalifornien eröffnete, sprach er zur Eröffnung den fast schon legendären Satz:

    „To all who come to this happy place: Welcome.“
    („Ein Willkommen allen, die diesen fröhlichen Ort besuchen!“)

    Und es gibt wohl kaum einen Disney-Fan oder -Cast Member, dem dieses Zitat nicht schon einmal im Laufe seines Lebens über den Weg gelaufen ist.

    Nichtsdestotrotz gab es im Laufe der Geschichte der Disney-Filme und auch -Themenparks immer wieder Darstellungen oder Attraktionen, die diesem Grundsatz nicht immer folgten und leider nur allzu oft den Vorwurf von Rassismus nach sich zogen. Zu nennen wäre hier beispielhaft die Verharmlosung von Sklavenarbeit, die u.a. bei Dumbo wiederzufinden ist, aber auch etablierte, rassistische Stereotypen, die sich in den Siamkatzen bei Susi & Strolch erkennen lassen, die fast schon klischeehaft durch Schlitzaugen, große Schneidezähne, gelbe Fellfarbe und vollkommen identisches Aussehen dargestellt werden.

    Im Laufe der vergangenen Jahre ist man sich seitens Disney dieser Probleme jedoch mehr und mehr bewusst geworden und versucht inzwischen sensibler damit umzugehen. Dazu gehören z.B. Hinweise auf Disney+ , die darauf aufmerksam machen, dass der nachfolgende Film negative Darstellungen und/oder eine nicht korrekte Behandlung von Menschen oder Kulturen“ enthält. Man setzt also in diesem Fall ganz klar auf Aufklärung anstatt diese Werke komplett zu entfernen, was ich persönlich sehr begrüßenswert finde. Denn nur so können wir tatsächlich aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und zukünftig sensibler und bewusster miteinander umgehen.

    Doch damit nicht genug. Auch in den Disney Parks macht dieser Prozess nicht halt. Und so nimmt man sich einzelner Attraktionen wie z.B. der Jungle Cruise oder dem allseits beliebten Splash Mountain an und trägt durch Umthematisierungen – bei Letzterem soll die Wasserbahn zukünftig dem Film Küss den Frosch gewidmet sein – dazu bei, dass sich wirklich alle Menschen ungeachtet von ethnischer Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Religion, Staatsangehörigkeit, sexueller Ausrichtung oder sozialer Herkunft – in den Disney Parks auf der ganzen Welt willkommen, gesehen und angenommen fühlen. 

    © Disney

    Doch Disney geht sogar noch einen Schritt weiter und integriert das Thema Inklusion direkt in das Herz der eigenen Unternehmenskultur. Und zwar durch die Einführung eines sogenannten fünften Inklusions-Schlüssels, der die bisherigen 4 Schlüssel bestehend aus Sicherheit, Höflichkeit, Show und Effizienz ergänzen wird. Sie stellen dabei für Disney traditionell so etwas wie Grundwerte und Prinzipien dar, welche sämtliche Handlungen und Aktivitäten innerhalb des Unternehmens bestimmen und allesamt dazu beitragen sollen, sowohl in der Interaktion untereinander als auch gegenüber den Gästen stets das bestmögliche Gesamtergebnis bzw. -erlebnis zu erzielen.

    Für diesen Veränderungsprozess rief man bereits im Jahr 2019 seitens der Konzernführung dazu auf, Ideen einzureichen, wie man nicht nur für das interne Miteinander sondern auch für die Kommunikation nach außen eine stärkere Form der Zugehörigkeit und des Gesehenwerdens erreichen könnte.

    Der dabei neu entwickelte Inklusions-Schlüssel bildet deshalb zukünftig das Herzstück der Fünf Schlüssel und dient in Kombination mit den restlichen vier nicht nur als Gradmesser dafür, wie mit den Gästen und untereinander kommuniziert wird, sondern auch, welche Erlebnisse und Produkte kreiert werden und um zu entscheiden, welchen Weg das Unternehmen in der weiteren Zukunft einschlagen wird.

    Und bereits jetzt spürt man, dass sich Disney dem Thema Inklusion tatsächlich sehr gewissenhaft und umfassend annimmt:

    So hat man begonnen, für die Cast Member in den Disney Parks die bisher ziemlich strengen Vorschriften zu lockern, was z.B. Frisuren, Schmuck und sogar kleine sichtbare Tattoos angeht. So soll den vielfältigen, individuellen Kulturen und Persönlichkeiten der einzelnen Personen an ihren jeweiligen Arbeitsplätzen zukünftig mehr Platz eingeräumt werden.

    Darüber hinaus hat man sich auch an die sprachliche Kommunikation gewagt und wird inzwischen sowohl im Tokyo Disney Resort als auch im Hongkong Disneyland als Gast nicht mehr mit „Ladies & Gentlemen, boys & girls…“, sondern schlicht mit „Hello everyone“ begrüßt! So einfach geht im Jahr 2021 gendergerechte Sprache, würde ich sagen.

    Außerdem werden in den kommenden Jahren die Themen Diversität & Vielfalt sicher auch noch einmal einen großen Einfluss auf die Stoffwahl zukünftiger Filme und Serienformate haben, wie wir dies bereits an Soul, Raya und der letzte Drache oder auch an den Disney+ Originals Love, Victor und Big Sky gesehen haben.

    Und zu guter Letzt könnte dies natürlich auch bedeuten, dass wir in Zukunft noch mit viel mehr kunterbuntem Disney Rainbow Merchandise rechnen dürfen als dies bisher der Fall war. Schließlich wirft langsam aber sicher der diesjährige Pride-Month im Juni seine Schatten voraus und wie jetzt bekannt wurde, wird die diesjährige Rainbow Disney Collection früher als sonst bereits am 3. Mai 2021 in den amerikanischen shopDisney kommen. Das Besondere daran: In diesem Jahr soll es nicht nur regenbogenbunte Artikel mit Mickey & seinen Freunden geben, sondern auch die Helden der Franchises rund um Marvel und Star Wars sollen mit eigenen Produkten vertreten sein, um wirklich für jeden Disney-Fan das passende bereitzuhalten!

    © Disney

    Seien wir also gespannt, wie Disney in den kommenden Jahren die sich stetig weiterentwickelnden Veränderungen innerhalb unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens mehr und mehr in ihre Unternehmensphilosophie integrieren wird, um für jeden Disney-Fan auch weiterhin ein Quelle der Freude und der Inspiration zu sein und im Falle der Disney Parks tatsächlich ein magischer Ort für ALLE zu werden.

    Ich freue mich auf jeden Fall darauf! Ihr auch?

    Euer RainbowMickeyRunner 

    Florian

    Raya und der letzte Drache – Wegweisend in vielerlei Hinsicht!

    Raya und der letzte Drache – Wegweisend in vielerlei Hinsicht!

    LGBTQ+

    Raya und der letzte Drache

    Wegweisend in vielerlei Hinsicht!

    Florian (RainbowMickeyRunner), Hamburg

    11. März 2021

    Seit 5. März ist Disneys neuester Animationsstreifen auf Disney+ als VIP-Zugang verfügbar. Ich habe mir den Film einmal genauer für Euch angeschaut und beleuchte in diesem Beitrag, warum wir durch ihn einer zukünftigen queeren Hauptfigur in einem Disney-Zeichentrickfilm vielleicht ein ganzes Stück näher gekommen sein könnten.

    © Disney

    Spätestens seit Vaiana im Jahr 2016 und Die Eiskönigin II vor gerade einmal zwei Jahren wissen wir: es tut sich was im Hause Disney, wenn es darum geht, veraltete Geschlechterrollen und traditionalistischer Erzählweisen abzulegen, die im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr zeitgemäß erscheinen. Genug von den althergebrachten Geschichten, in denen die Männer die Helden und die Frauen das schmückende Beiwerk sind, die eigentlich nur zwei Aufgaben besitzen: gut auszusehen und sich in eine so missliche Lage zu bringen haben, dass sie vom vermeintlich „starken Geschlecht“ schlußendlich gerettet werden können.

    All dies bietet Raya und der letzte Drache – der 59. abendfüllende Animationsfilm aus der Schmiede der Walt Disney Animation Studios – nicht. Dafür wartet er mit reichlich Frauenpower, einer wahre Pracht an farbgewaltigen Landschaften sowie atemberaubenden Action-Szenen auf, von denen einige durchaus auch einem Marvel-Film entspringen könnten. Und – auch das muss an dieser Stelle erwähnt werden – zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens steht eine Heldin der südostasiatischen Kultur im Mittelpunkt der Handlung. Als ob das nicht schon innovativ genug wäre, könnte der Film möglicherweise auch noch durch eine weitere Besonderheit bahnbrechend sein… denn durch seine unkonventionelle Darstellung von Weiblichkeit in den unterschiedlichsten Formen scheint es tatsächlich gar nicht mehr so ein weiter Weg hin zur ersten offen queeren Hauptfigur in einem Disney-Zeichentrickfilm zu sein.

    Wie ich zu dieser Annahme komme? Die amerikanische Schauspielerin Kelly Marie Tran, die der namensgebenden Titelheldin im englischen Original ihre Stimme leiht, ging in einem Interview mit der Vanity Fair so weit, dass wir es bereits jetzt im Falle von Raya offensichtlicher als je zuvor mit einer queeren Hauptfigur in einem Disney-Animationsfilm zu tun haben. Eine Schlüsselszene für diese These stellt für sie dabei ein Aufeinandertreffen zwischen Raya und ihrer Erzfeindin Namaari dar, bei dem sie ihrer Rivalin mit einem verschmitzten „Hallo, Prinzessin Undercut“ entgegentritt. Und tatsächlich klingt diese Begrüßung eher neckend und kokettierend als aggressiv und zum Kampfe ansetzend.

    © Disney

    Rayas Gegenspielerin Namaari ist denn zugleich auch ein schönes Beispiel dafür, wie vielschichtig und auch unkonventionell die Repräsentation von Frauen in Disney-Filmen bereits heute ist. Mit ihrer athletischen Statur, dem asymmetrischen, fast schon burschikosen Haarschnitt sowie ihrem Mut, ihrer Zielstrebigkeit und Kampfeslust haben wir es bei ihr tatsächlich mit einem Charakter zu tun, der wohl mehr als je zuvor mit den klassischen Attributen von weiblichen Disney-Figuren bricht. Vor allem für junge Menschen der LGBTQ+ Community finde ich dies nicht nur erfreulich, sondern geradezu essentiell wichtig, finden sie sich in dieser nonkonformistischen Darstellung von Weiblichkeit wahrscheinlich eher wieder als in den Vorgängerinnen bisheriger Animationsfilme aus dem kalifornischen Burbank.

    Und wenngleich Kelly Marie Tran im Rahmen des Interviews noch einmal explizit darauf hinweist, dass ihre Interpretation von Raya nicht unbedingt der offiziellen Idee von Disney entspricht, scheint es doch mehr als augenscheinlich zu sein, dass Raya und der letzte Drache eine spannende Weiterentwicklung dessen darstellt, was wir schon seit Anfang der 1990er Jahre beobachten: starke und tatsächlich geradezu emanzipierte Frauenfiguren als Titelheldinnen, die sich auch ohne männliche Hilfe zurecht finden. Sie übernehmen nicht nur für sich selber, sondern auch für ihre Heimat und ihre Mitmenschen Verantwortung und versuchen aller Widerstände und früheren Verletzungen zum Trotz die Fehler vorangegangener Generationen wiedergutzumachen.

    © Chiara Hammerer

    Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass auch die deutsche Stimme von Raya, Christina Ann Zalamea (auf YouTube besser bekannt als Hello Chrissy) der Lesart ihrer amerikanischen Kollegin durchaus etwas abgewinnen kann. Nachgefragt, wie sie das Verhältnis zwischen der von ihr gesprochenen Titelheldin und Namaari beschreiben würde und ob auch sie bei der Synchronisation des Films ein gewisses Knistern zwischen den beiden Protagonistinnen wahrgenommen habe, sagt sie:

    „Darüber habe ich tatsächlich nicht nachgedacht und auch wenn Disney nicht die Intention einer Anspielung hatte, finde ich persönlich die Ansicht von Kelly Marie Tran echt schön! Auf jeden Fall haben die beiden Figuren eine starke emotionale Verbindung und ihre Schicksale sind miteinander verflochten. Auch wenn Ihre Feindschaft aufgrund der Loyalität zu ihren unterschiedlichen Völkern und der Verrat erstmal im Vordergrund stehen, zeigt Raya dadurch, dass sie Namaaris Drachenbrosche in Ehren hält, dass sie die Hoffnung in die Verbindung, die sie für einen Tag hatten, all die Jahre nicht aufgegeben hat.

    Und… soviel sei für alle verraten, die den Film noch nicht geschaut haben: Der Drachenbrosche kommt im Laufe der Geschichte eine ziemlich zentrale Bedeutung zu und zeigt für Christina deshalb nicht zuletzt, „dass auch Namaari eine tieferliegende positive Verbindung zu Raya verspürt“.

    © Disney

    Selbstverständlich wäre es wünschenswert, dass Disney in Zukunft auch einmal den Mut beweist, tatsächlich eine offen queere Figur in den Mittelpunkt eines Filmes zu stellen. Dennoch zeigt auch Raya und der letzte Drache bereits wunderbar auf, in welche Richtung sich die Animationssparte bei Disney in punkto Diversität und emanzipierten Frauenrollen in den kommenden Jahren noch weiter entwickeln kann.

    Zuletzt bleibt es natürlich jeder/m Zuschauer*in selber überlassen, wie er das Verhältnis von Raya und Namaari zueinander deutet, doch vielleicht kommt es am Ende auch gar nicht so sehr darauf an. Im Mittelpunkt des Films steht ja eben gerade nicht die Suche nach Liebe, sondern vielmehr, wie wir wieder lernen können, einander zu vertrauen und uns gemeinsam eine bessere Zukunft aufzubauen. Und weil ich glaube, dass genau diese Kernbotschaft von Raya und der letzte Drache in unserer aktuellen Situation aktueller und wichtiger als je zuvor ist, kann ich Euch allen den neuesten Animationsfilm aus dem Hause Disney nur wärmstens ans Herz legen.

    Möge er durch seine vielschichtigen Figuren, seine Wertevorstellungen von Harmonie, Vertrauen und Zusammenhalt sowie den Glauben an eine bessere Zukunft ein weiterer Schritt in Richtung eines vielfältigeren und zeitgemäßeren Disney-Universums sein, in dem sich Menschen jedweder ethnischer oder sozialer Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Religion oder sexueller Orientierung gesehen, akzeptiert und repräsentiert fühlen können.

    In diesem Sinne: Weiter so, Disney! – und an Euch Leser*innen: Auf bald! 

    Euer RainbowMickeyRunner

    Florian

    Disney+ STAR aus Sicht eines queeren Disney-Bloggers

    Disney+ STAR aus Sicht eines queeren Disney-Bloggers

    LGBTQ+

    Disney+ STAR aus Sicht
    eines queeren Disney-Bloggers

    Florian (RainbowMickeyRunner), Hamburg

    28. Februar 2021

    Seit dieser Woche hat die Streaming-Plattform Disney+ mit STAR einen zusätzlichen Bereich erhalten. Erfreulicherweise hat sich dadurch auch einiges in punkto Diversität und LGBTQ+ Repräsentation getan! Ich nehme das Ganze für Euch einmal genauer unter die Lupe!

    Neben den Geschichten aus dem Hause Disney, Pixar, Star Wars, Marvel und National Geographic hat mit STAR nun auch das große Film- und Serienangebot von 21st Century Fox auf Disney+ sein eigenes zu Hause und möchte damit vor allem ältere Jugendliche und Erwachsene ansprechen. Doch was hat dieser neue Bereich an Gender & Diversity zu bieten? In diesem Artikel stelle ich Euch fünf Serien, Filme und Originals vor, die Ihr aus meiner Sicht als queerem Disney-Blogger auf keinen Fall verpassen solltet!

    © Disney

    Love, Victor

    Den Anfang macht natürlich direkt das Spin-Off zum überaus erfolgreichen Kinofilm Love, Simon aus dem Jahr 2018, auf den ich mich persönlich am meisten gefreut habe. Wie bereits der Film spielt auch Love, Victor an der Creekwood High School in Atlanta, Georgia. Als Hauptfigur steht jedoch der puerto-ricanische Schüler Victor Salazar im Mittelpunkt, der gerade erst mit seiner streng katholischen Familie aus Texas in die Stadt gezogen und mitten in der eigenen Findungsphase steckt, was seine sexuelle Orientierung angeht. Als er am ersten Schultag an seiner neuen Schule auf den attraktiven (und offen schwulen) Mitschüler Benji trifft, fahren seine Gefühle direkt Achterbahn und er sucht über Social Media Rat bei Simon Spiers, der ähnliches bereits im Kinofilm durchlebt hat. Ob es für Victor und Benji ein Happy End geben wird? Seien wir gespannt!

    Obwohl bisher erst drei Folgen auf STAR verfügbar sind, haben mir diese bereits sehr gefallen und ich bin gespannt, welche Richtung die Serie noch einschlagen wird und vor allem, welche Herausforderungen Victor noch meistern muss. Jeder, der auf Coming-of-Age-Serien steht, kommt bei diesem Disney+ Original sicher voll und ganz auf seine Kosten – sowohl in Bezug auf Besetzung als auch in punkto Storyline. Und offen gestanden wundert es mich auch gar nicht, dass man in den USA bereits an einer zweiten Staffel arbeitet! Schaut also auf jeden Fall mal rein!

    © ABC

    Big Sky

    Das zweite neue Disney+ Original schlägt direkt einen ganz anderen, eher düsteren und auch brutaleren Ton an und zeigt aus meiner Sicht gut, inwiefern STAR vor allem Unterhaltung für ein älteres Publikum bieten möchte. Mit seinem Thriller-Drama-Format ist Big Sky bereits ab der ersten Episode definitiv nichts für zarte Gemüter und hat mich schon nach wenigen Minuten echt gepackt. Doch auch bezüglich Diversität gibt es hier etwas Spannendes zu berichten, denn mit Jessie James Keitel hat man für die Rolle der Jerrie Kennedy die erste non-binäre Person für den Hauptcast einer Serie zur besten Sendezeit verpflichtet – ein echtes Novum in diesem Bereich!

    Spannend ist dabei auch, dass Keitel zunächst zögerte, für die Serie vorzusprechen, da sier Zweifel daran hatte, ob es überhaupt möglich sei, in einem solchen Format einen transgender Charakter adäquat darzustellen. Nachdem sier die Rolle jedoch tatsächlich angeboten bekam, setzte sier sich vor Beginn der Dreharbeiten noch einmal mit den Autor*innen und Produzent*innen zusammen, um Jerrie Kennedy so anzulegen und verändern, dass sie die derzeitige Lebensrealität queerer Personen bestmöglich widerspiegelt. Und eins kann ich Euch auch jetzt schon verraten: Jerrie spielt bereits in der ersten Folge eine ziemlich zentrale Rolle! Also, wenn Ihr es actionreich und spannend mögt, dann könnte diese Serie definitiv was für Euch sein!

      © ABC Family

      The Fosters

      Die dritte Serie, die ich Euch ans Herzen legen möchte, lief ab 2014 in Deutschland bereits im Disney Channel, ist jedoch jetzt mit Einführung von STAR zum allerersten Mal mit allen fünf Staffeln auch komplett auf Deutsch verfügbar. Es handelt sich um die US-amerikanische Fernsehserie The Fosters, die mit der Polizistin Stef und ihrer Lebensgefährtin, der stellvertretenden Schulleiterin Lena Foster, ein lesbisches Paar als Hauptfiguren hat. Die beiden leben zusammen mit Stefs leiblichem Sohn Brandon sowie ihren Adoptivkindern Jesus und Mariana in San Diego, Kalifornien. Als die beiden sich entschließen, auch noch die Pflegekinder Callie und Jude bei sich aufzunehmen, wird das Leben der Patchwork-Familie gehörig auf den Kopf gestellt. Noch dazu muss Stef auf der Arbeit wieder enger mit ihrem Ex-Mann und Brandons biologischem Vater Mike zusammenarbeiten. Ob das gut gehen kann…?

      Diese Serien kann ich mir sehr gut für Liebhaber von früherer Serien wie Gilmore Girls, Full House oder Modern Family vorstellen! Was die Show – die übrigens von keiner geringeren als Jennifer Lopez produziert wurde – für mich dabei auszeichnet, ist, wie unverkrampft und normal mit den Themen LGBTQ+ und Familienleben umgegangen wird. Natürlich wird dies durchaus immer mal wieder angesprochen, allerdings sieht man dabei auch sehr gut, dass homosexuelle Paare teilweise eben genau die gleichen Probleme und Konflikte haben, wie heterosexuelle auch und sich deshalb nicht wirklich voneinander unterschieden. Und bei über 100 Episoden hat man hier auch reichlich Serienstoff, um den manchmal ja doch etwas tristen Pandemiealltag etwas erträglicher und unterhaltsamer zu gestalten.

        © FOX

        Glee

        Bei dieser Serien habe ich mich während des Schreibens tatsächlich gefragt, ob sie überhaupt noch irgendeiner Erläuterung oder Vorstellung bedarf, denn gibt es im Jahr 2021 noch Leute, die nichts von Glee gehört haben? Das kann ich mir eigentlich fast gar nicht vorstellen! Als die Serie vor gut zehn Jahren bei uns in Deutschland an den Start ging, konnte ich es Woche um Woche kaum abwarten bis die neueste Folge rund um Mr. Schue, Coach Sylvester, Rachel, Finn, Kurt, Santana, Mercedes und Co. verfügbar war.

        Das Besondere und Einzigartige dabei war für mich als langjährigem Musical-Liebhaber wohl tatsächlich das Format, bei dem jede Episode unter einem anderen musikalischen Motto stand und sich stets wie ein kleines Mini-Musical anfühlte. (Das führte übrigens auch dazu, dass Woche um Woche auch meine digitale Musik-Bibliothek wuchs und wuchs.) Und trotz dieses auf den ersten Blick eher unterhaltenden Charakters, schaffte es die Serie dennoch immer wieder, auch gesellschaftlich relevante Themen wie Diversität, Mobbing und Sexualität in die Handlung zu integrieren und hat mich dadurch das ein oder andere auch sehr zum Nachdenken gebracht.

        Was mich aber jetzt mit dem Release auf STAR am meisten freut ist der Fakt, dass ich auch diese Serie nun endlich komplett auf Deutsch zu Ende schauen kann. Leider gab es nämlich lange Zeit die letzten beiden Staffeln (5 & 6) nur im englischen Originalton, was dann – zumindest bei mir – dazu führte, dass ich ein wenig das Interesse verlor und die Show eigentlich nie wirklich zu Ende geschaut habe. Umso mehr freut es mich deshalb jetzt, dass ich dank STAR noch einmal voll und ganz ins Glee-Universum eintauchen kann und hoffe, dass ich vielleicht auch der/dem einen oder anderen von Euch ebenfalls dazu animiere, (noch) einmal in die glitzernde Welt der Show-Chöre einzutauchen!

        © 20th Century Fox

        Boys Don’t Cry

        Als Letztes möchte ich Euch noch auf einen Film aufmerksam machen, der bereits 1999 in die amerikanischen Kinos kam, aber trotz seines Alters aus meiner Sicht auch heute noch überaus sehenswert, aber eben auch ziemlich erschütternd ist: Boys Don’t Cry

        Der Film erzählt die wahre Geschichte des jungen Transmanns Brandon Teenas, der zwar als Teena Renae Brandon geboren wird, sich aber trotz seines weiblichen Körpers bereits in jungen Jahren als Mann identifiziert. Lange Zeit kann Brandon dank Kurzhaarfrisur und passender Kleidung sein biologisches Geschlecht vor seinen Mitmenschen verbergen und findet in den Ex-Sträflingen John und Tom sogar so etwas wie echte Freunde. In ihrer Gesellschaft fühlt sich Brandon zum ersten Mal wirklich als Mann akzeptiert und angenommen und die drei ziehen zusammen in die beschauliche Kleinstadt Falls City in Nebraska. Als er sich jedoch in die junge Frau Lana verliebt und John und Tom erfahren, dass Brandon einen weiblichen Körper hat, kommt es zu einer folgenschweren Katastrophe, die er schließlich mit dem Leben bezahlt.

        Als die Regisseurin Regisseurin Kimberly Peirce während ihres Studiums das erste Mal über diesen Kriminalfall las, war sie so bewegt davon, dass sie als Diplomarbeit zunächst einen Dokumentarfilm darüber drehte. Das dafür zusammengestellte Archivmaterial bildete dann die Grundlage für das spätere Drehbuch des Spielfilms. Die größte Herausforderung der Regisseurin war dabei, den passenden Hauptdarsteller zu finden. Peirce hatte hierfür zunächst auch echte Transmänner und lesbische Frauen in Betracht gezogen, das Rennen machte schließlich jedoch Hillary Swank, für die der Film 1999 zu einem Karrierehöhepunkt wurde, indem sie noch im selben Jahr den Golden Globe und einige Monate später sogar noch den Oscar als Beste Hauptdarstellerin erhielt.

        Der Film zeigt aus meiner Sicht sehr eindrücklich auf, wie schwer es für transgender Personen sein kann, sich ihrem Umfeld zu offenbaren und ihre wahre Identität offen auszuleben, da sie auch bis heute noch häufig in großer Gefahr durch Hass und Gewalt leben. Gleichzeitig hoffe ich aber ebenso, dass der Film auch heute noch dazu anregt, dass hetero- wie homosexuelle Zuschauer verstehen, wie wichtig es für Transgender ist, dass wir ihnen offen und verständnisvoll entgegentreten und dass jeder von uns, egal welcher sexuelle Orientierung, Hautfarbe oder ethnischen Herkunft man auch sei, ein Recht auf Respekt und Gleichberechtigung hat. Nur so können wir aus meiner Sicht auch in Zukunft gemeinsam eine moderne und offene Gesellschaft bleiben und zusammen für die Sicherheit jedes einzelnen sorgen.

        Ich hoffe sehr, dass ich Euch mit meiner kleinen Auswahl an Inhalten auf STAR durch die LGBTQ+ Brille ein klein wenig inspirieren konnte, bei dem ein oder anderen Format einmal genauer hinzusehen, was die Themen Gender & Diversity angeht! Selbstverständlich gibt es hier – sogar auch auf Disney+ selber – noch viel mehr zu entdecken, sei es in Serien wie High School Musical: Das Musical: Die Serie, dem SparkShorts-Kurzfilm Out oder auch den Disney Channel-Formaten Story of Andi oder The Lodge. Ich persönlich finde es gut und auch erfreulich, wie divers das Film- und Serienangebot von Disney im Jahre 2021 bereits ist, wenngleich es natürlich gerne auch noch mehr werden darf und durchaus auch das ein oder andere noch fehlt. Dennoch bin ich gespannt, was uns noch an weiteren Neuheiten in den nächsten Jahren erwarten wird.

        Wie sieht es denn bei Euch aus? Gibt es für Euch besondere Inhalte auf STAR – ob nun mit LGBTQ+ Kontext oder ohne, die Ihr bereits jetzt ins Herz geschlossen habt? Dann erzählt mir doch gerne einmal davon in den Kommentaren, denn auch ich lasse mich immer wieder noch gerne für Neues inspirieren und begeistern!

        

Für heute sende ich Euch liebe Grüße und vor allem: Bleibt gesund!

        Euer RainbowMickeyRunner

        Florian